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Richtig lüften in der Heizsaison
Richtig lüften heißt im Winter: kurz, weit offen, mehrmals am Tag. Warum kalte Luft trocknet, wie lange je Raum und was dir der CO₂-Wert dabei verrät.
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Wenn im Oktober die Heizung angeht, bleiben die Fenster öfter zu. Nach ein paar Wochen sind die Scheiben morgens beschlagen, und im Schlafzimmer riecht die Luft verbraucht. Beides löst Lüften, wenn es richtig gemacht wird: kurz, weit offen und regelmäßig. Den ganzen Raumklima-Check für den Herbst findest du unter Heizsaison-Check.
Die Regeln des Umweltbundesamts
| Raum | Wann | Wie lange |
|---|---|---|
| alle Räume | 2- bis 3-mal täglich | ca. 5 Minuten, Fenster weit offen |
| Schlafzimmer | morgens und vor dem Schlafengehen | morgens 5 bis 10 Minuten weit offen |
| Küche und Bad | während oder nach der Nutzung | 5 bis 10 Minuten |
| zum Vergleich: warme Jahreszeit | je Lüftung | 10 bis 20 Minuten |
Dazu kommen drei Regeln:
- Kein Kippfenster. Es erhöht laut Umweltbundesamt Energieverbrauch und Heizkosten drastisch. Außerdem kühlt die Wand rund ums Fenster aus, und an kalten Flächen beginnt Schimmel.
- Schlafzimmertür zu. Sonst zieht warme, feuchte Luft aus anderen Räumen ins kühlere Schlafzimmer und kondensiert dort an kalten Flächen.
- Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen.
Warum kurz und weit offen? Beim Stoßlüften tauscht sich die Luft schnell aus, Wände und Möbel kühlen dabei kaum ab. Nach dem Schließen geben sie ihre Wärme an die frische Luft ab, und der Raum ist bald wieder warm.
Warum kalte Außenluft trocknet
Wie viel Wasser Luft halten kann, hängt an der Temperatur. Die Sättigungsfeuchte, also das Maximum bei 100 % relativer Feuchte:
| Temperatur | 0 °C | 5 °C | 10 °C | 15 °C | 17 °C | 20 °C | 21 °C |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| g Wasser pro m³ | 4,8 | 6,8 | 9,4 | 12,8 | 14,4 | 17,2 | 18,3 |
Das Rechenbeispiel: Außenluft mit 0 °C und 80 % Feuchte enthält rund 3,9 g Wasser pro Kubikmeter. Die Heizung wärmt sie auf 21 °C, dort könnte sie 18,3 g halten. 3,9 ÷ 18,3 ergibt rund 21 % relative Feuchte. Deshalb ist Heizungsluft trocken, nicht weil die Heizung Wasser „verbraucht“.
Für die Wohnung heißt das: Raumluft mit 21 °C und 50 % enthält rund 9,2 g/m³ (18,3 × 0,5), mehr als doppelt so viel wie die Winterluft draußen. Jeder Kubikmeter, der beim Lüften getauscht wird, nimmt rund 5 g Wasser mit hinaus (9,2 − 3,9). Bei einem Raum mit 20 m² und 2,5 m Höhe, also 50 m³, ist das bei vollständigem Luftwechsel gut ein Viertelliter.
Die Kehrseite: Wer sehr viel lüftet, kann die Luft unter 40 % drücken. Dann lieber kürzer lüften als seltener, denn verbrauchte Luft muss trotzdem hinaus. Mehr unter ideale Luftfeuchtigkeit.
Querlüften
Öffnest du zwei gegenüberliegende Fenster und die Türen dazwischen, zieht die Luft quer durch die Wohnung und tauscht sich schneller aus als über ein einzelnes Fenster. Wie viel schneller, hängt an Wind und Temperaturunterschied, eine feste Minutenzahl gibt es dafür nicht. Ob es gereicht hat, zeigt ein CO₂-Messgerät: Ist der Wert in die Nähe der gut 400 ppm der Außenluft gefallen, ist die Luft getauscht. Danach die Innentüren wieder schließen, vor allem die zum Schlafzimmer.
CO₂ als Lüftungsanzeiger
Jeder Mensch atmet CO₂ aus. Der Wert zeigt deshalb, wie verbraucht die Luft ist. Die Leitwerte des Umweltbundesamts:
| CO₂ | Bewertung | Folge |
|---|---|---|
| unter 1.000 ppm | hygienisch unbedenklich | nichts nötig |
| 1.000 bis 2.000 ppm | hygienisch auffällig | mehr lüften |
| über 2.000 ppm | hygienisch inakzeptabel | Lüftung prüfen, handeln |
Draußen liegt der Wert heute bei gut 400 ppm. CO₂ misst verbrauchte Atemluft, nicht Feinstaub oder Pollen. Ein niedriger Wert heißt also nicht, dass die Luft sauber ist.
So nutzt du den Wert: Steigt er über 1.000 ppm, ist es Zeit zu lüften. Im Schlafzimmer zeigt der Morgenwert, ob das Lüften vor dem Schlafengehen gereicht hat. Liegt er über 2.000 ppm, reicht es nicht; dann abends länger lüften und die Lüftung des Raums grundsätzlich prüfen.
Beim Messgerät zählt der Sensor. Echtes CO₂ messen Geräte mit NDIR-Sensor (nichtdispersiv infrarot) oder photoakustischem Sensor. Billige Geräte mit MOX- oder VOC-Sensor zeigen ein „eCO₂“ oder „CO₂-Äquivalent“: ein aus Gasen geschätzter Wert, kein gemessenes CO₂. Mehr unter CO₂-Messgerät.
Bad und Küche
Beim Duschen und Kochen entsteht viel Feuchte auf einmal. Das Umweltbundesamt empfiehlt, während oder nach der Nutzung 5 bis 10 Minuten zu lüften.
- Tür zu, solange geduscht oder gekocht wird, damit die Feuchte nicht in die übrige Wohnung zieht. Dann nach draußen lüften, nicht in den Flur.
- Umlufthaube: Sie hält Fett und Gerüche zurück, das Wasser bleibt im Raum. Also trotzdem lüften.
- Fliesen und Duschwand abziehen. Was im Abfluss landet, muss nicht aus der Luft.
- Bad ohne Fenster: den Lüfter nach dem Duschen weiterlaufen lassen, die Tür geschlossen.
Wenn die Feuchte über 60 % bleibt
Dauerhaft über 60 % steigt laut Umweltbundesamt das Schimmelrisiko. Dann der Reihe nach:
- Messung prüfen. Hygrometer in die Raummitte oder an eine Innenwand, nicht ans Fenster oder an die Außenwand. Mit dem Salztest kontrollieren, siehe Hygrometer.
- Öfter lüften: dreimal statt zweimal am Tag, das Schlafzimmer morgens und abends.
- Quellen suchen. Menschen, Pflanzen, Kochen, Duschen und Wäsche geben Feuchte ab.
- Temperatur prüfen. Luft aus dem 20 °C warmen Wohnzimmer mit 50 % enthält 8,6 g/m³. Im Schlafzimmer mit 17 °C sind das 60 % (8,6 ÷ 14,4).
- Möbel von Außenwänden abrücken.
- Kalte Stellen prüfen mit dem Schimmel-Rechner, Hintergrund unter Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
- Entfeuchten, wenn all das nicht reicht: Luftentfeuchter für Wohnung und Schlafzimmer.
Bleibt die Feuchte trotzdem hoch oder wachsen Flecken, gehört die Frage in fachliche Hände, in der Mietwohnung zuerst zur Vermieterin oder zum Vermieter.
Wann Lüften nicht die Antwort ist
- Die Luft ist zu trocken. Unter 40 % macht mehr Lüften es schlimmer. Kurz lüften und über einen Luftbefeuchter fürs Schlafzimmer nachdenken.
- Pollen. In der Pollensaison bringt jedes offene Fenster Pollen herein. Für Allergiker kann ein Luftreiniger bei geschlossenen Fenstern helfen, siehe Luftreiniger für Allergiker.
- Keller im Sommer. Warme Sommerluft kühlt im Keller ab und lässt dort Wasser zurück, siehe Luftentfeuchter für den Keller.
- Nasse Wände von außen. Da hilft kein Fenster, sondern eine Fachfirma.