Kaufberatung
Luftentfeuchter für den Keller: Kompressor oder Adsorption?
Welcher Luftentfeuchter in den Keller passt, entscheidet die Temperatur. Warum die Literangabe dort täuscht und wann ein Adsorptionstrockner besser ist.
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Der Keller riecht muffig, Kartons werden weich, an der Außenwand zeigen sich dunkle Flecken. Das Hygrometer auf dem Regal steht bei 70 %. Ein Luftentfeuchter kann das beheben. Welcher, hängt im Keller vor allem an einer Zahl: der Temperatur des Raums.
Vor dem Kauf stehen deshalb zwei Fragen. Wie warm ist der Keller? Und woher kommt das Wasser?
Erst messen: Temperatur und Feuchte
Stell ein Thermo-Hygrometer für einige Tage in den Keller, in die Raummitte oder an eine Innenwand, nicht an Außenwand oder Fenster. Lies morgens und abends ab und nach dem Lüften noch einmal.
Für Wohnräume nennt das Umweltbundesamt 40 bis 60 % relative Feuchte, dauerhaft nicht über 60 %, weil sonst das Schimmelrisiko steigt. Für einen Keller, in dem Kartons, Werkzeug oder Vorräte lagern, taugt dieselbe Grenze. Ein Zielwert von 55 % am Entfeuchter hält Abstand zu ihr. Wie du dein Hygrometer mit dem Salztest prüfst, steht im Ratgeber Hygrometer.
Kompressor oder Adsorption: die Temperatur entscheidet
Der Kompressor-Luftentfeuchter arbeitet wie ein Kühlschrank: Raumluft strömt über kalte Lamellen, das Wasser kondensiert und tropft in den Tank. Je kühler der Raum, desto schlechter klappt das. Die Lamellen vereisen, das Gerät muss abtauen und entfeuchtet in dieser Zeit nicht. In einem unbeheizten Keller um 10 bis 15 °C liefert es nur einen Bruchteil seiner Nennleistung.
Der Adsorptionstrockner führt die Luft durch einen Rotor mit Trockenmittel, das die Feuchte bindet. Ein Teil des Rotors wird laufend beheizt und gibt das Wasser wieder ab. Weil nichts gekühlt wird, arbeitet er auch bei niedrigen Temperaturen gleichmäßig.
| Kompressor | Adsorption | |
|---|---|---|
| Prinzip | kalte Lamellen, Wasser kondensiert | beheizter Trockenmittel-Rotor |
| Kühler Keller, 10–15 °C | nur ein Bruchteil der Nennleistung | arbeitet gleichmäßig |
| Warmer Raum | hier liegt seine Stärke | funktioniert, braucht aber mehr Strom |
| Stromverbrauch | niedriger | höher |
| Wärmeabgabe | ja | mehr |
| Typischer Ort | beheizter Hobbyraum, Wohnung | unbeheizter Keller, Garage, Gartenhaus |
Beide heizen den Raum etwas: mit dem Strom, den sie aufnehmen, und mit der Wärme, die frei wird, wenn aus Wasserdampf Wasser wird, rund 0,68 kWh je Liter. Im Keller ist das eher ein Vorteil.
Warum die Literangabe im Keller täuscht
Die Leistung eines Luftentfeuchters steht in Litern pro Tag, gemessen meist bei 30 °C und 80 % relativer Feuchte. Einige Hersteller nennen zusätzlich den realistischeren Wert bei 27 °C und 60 %. Ein Beispiel aus Datenblättern: Aus 54 Litern pro Tag bei 30 °C/80 % werden 34 Liter bei 27 °C/60 %. Drei Grad weniger und trockenere Luft kosten also 20 von 54 Litern, gut ein Drittel.
Im Keller ist der Abstand zur Norm noch größer. Ein Kubikmeter Luft mit 12 °C kann höchstens 10,6 g Wasser halten, bei 70 % Feuchte sind es 7,4 g (10,6 × 0,7). Unsere Sättigungstabelle reicht nur bis 22 °C, aber schon dort trägt Luft mit 80 % Feuchte 15,5 g pro Kubikmeter (19,4 × 0,8), mehr als doppelt so viel. Bei den 30 °C der Norm ist es noch mehr. Jeder Kubikmeter, den das Gerät im Keller ansaugt, enthält also weniger als die Hälfte des Wassers, das in der Normluft steckt.
Die Literangabe taugt deshalb, um Geräte derselben Bauart zu vergleichen. Wie viel Wasser in deinem Keller im Tank landet, sagt sie nicht. Nennt ein Datenblatt einen Wert bei niedriger Temperatur, ist das der Wert, der für dich zählt.
Wann ein Adsorptionstrockner passt – und wann der Kompressor
Ein Adsorptionstrockner ist die richtige Wahl, wenn der Keller unbeheizt ist und im Winter bei 10 bis 15 °C oder darunter liegt, wenn das Gerät auch in Garage oder Gartenhaus laufen soll und wenn dir gleichmäßige Leistung wichtiger ist als ein niedriger Stromverbrauch.
Seine Abwärme hilft mit. Kellerluft mit 12 °C und 70 % enthält 7,4 g/m³. Auf 15 °C erwärmt, könnte sie 12,8 g halten. Die relative Feuchte sinkt damit auf 58 % (7,4 ÷ 12,8), ohne dass ein Tropfen entfernt wurde.
Ein Kompressor-Luftentfeuchter passt, wenn der Kellerraum beheizt ist wie ein Wohnraum, etwa als Hobbyraum, Büro oder Gästezimmer. Dort braucht er weniger Strom als ein Adsorptionstrockner.
Ausstattung für den Dauerbetrieb
Ein Kellerentfeuchter läuft wochenlang ohne Aufsicht. Dafür braucht er:
- Schlauchanschluss für Dauerablauf. Ist der Tank voll, schaltet das Gerät ab. Mit einem Schlauch in den Bodenablauf läuft es weiter. Der Schlauch braucht durchgehend Gefälle; liegt der Ablauf höher, brauchst du ein Gerät mit eingebauter Pumpe oder eine Kondensatpumpe.
- Hygrostat mit Zielwert, etwa 55 %. Das Gerät schaltet ab, wenn der Wert erreicht ist, und springt wieder an, wenn die Feuchte steigt. Der Sensor sitzt im Gerät und misst im eigenen Luftstrom; ein separates Hygrometer im Raum zeigt, was wirklich ankommt.
- Automatischer Neustart nach Stromausfall. Ohne ihn bleibt das Gerät nach einem kurzen Ausfall aus, und du merkst es erst, wenn der Keller wieder muffig riecht.
- Abtauautomatik beim Kompressorgerät. Ohne sie gehört es nicht in einen kühlen Raum.
Fenster und Tür bleiben zu, solange das Gerät läuft. Sonst entfeuchtet es die Luft, die gerade nachströmt.
Woher kommt das Wasser?
Ein Entfeuchter holt Wasser aus der Luft. Warum es dort ist, beantwortet er nicht. Im Keller gibt es zwei typische Quellen, und sie brauchen verschiedene Antworten.
Feuchte von außen
Nasse Stellen unten an der Außenwand, bröckelnder Putz, weiße Salzkrusten, Wasser nach starkem Regen: Das deutet auf Feuchte, die durch Wand oder Boden kommt, etwa durch eine schadhafte Abdichtung oder eine undichte Regenrinne. Ein Entfeuchter hält die Luft trocken, stoppt aber den Nachschub nicht. Hier gehört eine Fachfirma für Abdichtung oder ein Bausachverständiger hin, im Mietshaus zuerst die Vermieterin oder der Vermieter.
Lüften im Sommer
Die zweite Quelle ist gut gemeint: das offene Kellerfenster an einem warmen Tag. Warme Luft trägt viel Wasser. Kühlt sie im Keller ab, kann sie es nicht mehr halten.
Ein milder Sommertag mit 22 °C und 60 % Feuchte: Die Luft enthält 19,4 × 0,6 = rund 11,6 g Wasser je Kubikmeter. So ändert sich ihre relative Feuchte, wenn sie im Keller abkühlt:
| Kellertemperatur | höchstens g/m³ (100 %) | Sommerluft danach |
|---|---|---|
| 20 °C | 17,2 | 67 % (11,6 ÷ 17,2) |
| 17 °C | 14,4 | 81 % |
| 15 °C | 12,8 | 91 % |
| 12 °C | 10,6 | über 100 %: rund 1,0 g je m³ wird zu Wasser |
| 10 °C | 9,4 | über 100 %: rund 2,2 g je m³ wird zu Wasser |
Schimmel droht schon, wenn eine Oberfläche über längere Zeit 80 % erreicht, so das Kriterium der DIN 4108-2. Kondenswasser braucht es dafür nicht. Und das Wasser schlägt sich zuerst an den kältesten Flächen nieder: am Boden, an Außenwänden, an Kaltwasserleitungen.
Eine Rechnung mit Annahmen zeigt die Größenordnung. Ein Kellerraum mit 20 m² und 2,2 m Höhe hat 44 m³. Tauscht sich die Luft durch das offene Fenster angenommen einmal pro Stunde aus und kühlt ganz auf 12 °C ab, bleiben 44 m³ × 1,0 g × 24 h = rund 1,1 kg Wasser am Tag im Keller. Gut ein Liter, an einem Tag mit nur 22 °C.
Die Regel daraus: Lüfte den Keller nur, wenn draußen weniger Wasser in der Luft ist als drinnen. Die relative Feuchte allein zeigt das nicht, du musst in Gramm pro Kubikmeter vergleichen. Zwei Beispiele für einen Keller mit 12 °C und 70 %, also 7,4 g/m³:
- Sommernacht mit 15 °C und 80 %: 12,8 × 0,8 = 10,2 g/m³. Mehr als drinnen, Lüften macht den Keller feuchter.
- Wintertag mit 5 °C und 80 %: 6,8 × 0,8 = 5,4 g/m³. Weniger als drinnen, jetzt trocknet Lüften.
Gelüftet wird der Keller deshalb in der kalten Jahreszeit, im Sommer nur, wenn die Messung es erlaubt. Ein Thermo-Hygrometer mit Außensensor liefert beide Werte auf einen Blick.
Durchgerechnet
Ein typischer Kellerfall. Watt und Laufzeit sind Annahmen; deine Werte stehen im Datenblatt, die tatsächliche Laufzeit zeigt ein Strommessgerät zwischen Steckdose und Stecker.
Zum Vergleich: Ein Kompressorgerät mit angenommen 200 W käme bei gleicher Laufzeit auf 216 kWh, rund 80 €. Das nützt im 12 °C kalten Keller aber wenig, wenn es dort nur einen Bruchteil seiner Literangabe schafft und entsprechend länger laufen muss. Die 37 ct/kWh sind der BDEW-Durchschnitt für Haushalte 2026; rechne mit deinem Tarif nach.
Betriebskosten-Rechner
Laufende Kosten pro Jahr
–
| Stromverbrauch pro Jahr | – |
| Strom pro Jahr | – |
| Filter pro Jahr | – |
| Über 3 Jahre (ohne Anschaffung) | – |
Vorbelegt mit 37,0 ct/kWh, dem Durchschnitt für Haushalte laut BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026 — trage deinen eigenen Tarif ein. Bei Verdampfern gilt als Richtwert rund 0,72 kWh je Liter verdampftem Wasser.
Wann ein Entfeuchter nicht die Antwort ist
- Wasser kommt von außen. Dann trocknet das Gerät Monat für Monat gegen eine offene Quelle an. Erst Abdichtung und Regenwasser klären lassen.
- Das Problem ist das Sommerlüften. Fenster zu, solange draußen mehr Wasser in der Luft ist als drinnen. Das kostet nichts.
- Schimmel auf größerer Fläche. Trocknen allein beseitigt ihn nicht, größeren Befall fachlich abklären lassen. Mehr unter Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
- Der Raum ist bewohnt und warm. Dann gelten die Überlegungen zu Lautstärke und Wäschetrocknen unter Luftentfeuchter für Wohnung und Schlafzimmer.
Quellen
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig?
- BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026
- DIN 4108-2, Kriterium für Schimmel: 80 % relative Feuchte an der Oberfläche
- Umweltbundesamt: Richtiges Heizen schützt das Klima und den Geldbeutel