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Wissen

Luftfeuchtigkeit erhöhen: Was Hausmittel wirklich bringen

Luftfeuchtigkeit erhöhen ohne Gerät? Wäsche, Pflanzen und Wasserschale nachgerechnet: was sie gegen trockene Heizungsluft bringen und wann ein Befeuchter hilft.

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Zimmerpflanze im Tontopf auf der Fensterbank
Foto: Elena Golovchenko / Pexels

Im Januar zeigt das Hygrometer im Wohnzimmer 35 %, der Hals kratzt, die Lippen sind spröde. Die üblichen Tipps lauten: Wasserschale auf die Heizung, mehr Pflanzen, Wäsche drinnen trocknen. Manche davon bringen spürbar Wasser in die Luft, andere kaum messbar wenig. Wir haben sie mit den Erfahrungswerten aus dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts nachgerechnet.

Erst prüfen, ob die Luft wirklich zu trocken ist

Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 % relative Luftfeuchte. Zu trocken ist ein Raum, wenn das Hygrometer über Tage unter 40 % zeigt, nicht nur kurz nach dem Lüften. Wie du richtig misst und dein Gerät mit dem Salztest prüfst, steht im Ratgeber Hygrometer.

Sehr trockene Luft unter 20 % über längere Zeit kommt laut Umweltbundesamt in unseren Breiten nur ausnahmsweise vor, abgesehen von alpinen Regionen. Die Materialien im Raum speichern Feuchte und geben sie schon beim Lüften wieder an die Luft ab. Und das kühle Schlafzimmer ist oft feucht genug, auch wenn das Wohnzimmer trocken ist. Warum, steht unter Luftbefeuchter fürs Schlafzimmer.

Trockene Schleimhäute können an der Luft liegen, aber auch andere Gründe haben. Zeigt das Hygrometer passende Werte und die Beschwerden bleiben, lass das ärztlich abklären.

Warum die Heizungsluft trocken wird

Die Heizung verbraucht kein Wasser. Kalte Außenluft enthält einfach wenig davon und wird beim Erwärmen relativ trockener. Das Umweltbundesamt rechnet vor, was aus 80 % feuchter Außenluft wird, wenn sie im Raum auf 20 °C kommt:

draußen Wasser in der Luft drinnen bei 20 °C
10 °C / 80 % 7,5 g/m³ 42 %
0 °C / 80 % 3,9 g/m³ 21 %
−10 °C / 80 % 1,7 g/m³ 9 %

Je kälter es draußen ist, desto trockener wird jede gelüftete Luft. Mehr dazu unter ideale Luftfeuchtigkeit.

Wie viel Wasser fehlt

Unsere Rechnung mit einem halben Luftwechsel pro Stunde und Außenluft von 0 °C bei 80 %, ohne die Feuchte, die Menschen und Haushalt selbst abgeben:

Raum innen Bedarf
14 m², 2,5 m hoch 18 °C / 45 % rund 53 g/h ≈ 1,3 l/Tag
20 m², 2,5 m hoch 21 °C / 45 % rund 109 g/h ≈ 2,6 l/Tag
30 m², 2,5 m hoch 21 °C / 45 % rund 163 g/h ≈ 3,9 l/Tag
20 m², Luftwechsel 0,3/h 21 °C / 45 % rund 65 g/h ≈ 1,6 l/Tag

Die letzte Zeile zeigt den größten Hebel: Weniger Luftwechsel heißt weniger Bedarf.

Hausmittel nachgerechnet

Die Werte stammen aus Tabelle 6 des Schimmelleitfadens. Es sind Erfahrungswerte, im Einzelfall kann es deutlich mehr oder weniger sein.

Feuchtequelle Wasser in die Luft Einordnung
zwei Personen im Raum 60 bis 80 g pro Stunde deckt im 20-m²-Raum schon mehr als die Hälfte
Wäsche, geschleudert (4,5-kg-Trommel) 50 bis 200 g pro Stunde wirkt deutlich, solange sie trocknet
Kochen und Duschen, zwei Personen rund 1,1 Liter am Tag nur, soweit der Dampf in der Wohnung bleibt
eine Zimmerpflanze 1 bis 5 g pro Stunde für 109 g/h wären 22 bis 109 Pflanzen nötig
Wasserschale, 20 × 30 cm höchstens rund 2,4 g pro Stunde kaum messbar

Wäsche: wirkt, aber mit Maß

Ein Wäscheständer ist das stärkste Hausmittel. Trotzdem rät das Umweltbundesamt, Wäsche möglichst nicht in der Wohnung zu trocknen, weil es schnell zu viel wird. Wenn, dann nur in einem Raum, der nachweislich unter 40 % liegt, und nicht im kühlen Schlafzimmer. Das Hygrometer bleibt dabei im Blick. Die Wärme zum Verdunsten, rund 0,68 kWh je Liter, liefert die Heizung.

Pflanzen: gut für vieles, kaum als Befeuchter

Eine Zimmerpflanze gibt 1 bis 5 g Wasser pro Stunde ab, je nach Art auch mehr. Um die 53 g/h eines Schlafzimmers zu decken, bräuchte es 11 bis 53 Pflanzen. Dazu kommt: Das Umweltbundesamt nennt die Topferde als mögliche Schimmelquelle. Wer auf Schimmelpilze allergisch reagiert, sollte sich nicht mit Pflanzen zustellen.

Wasserschale und Heizkörper-Verdunster

Eine Schale mit 20 × 30 cm Wasserfläche hat 0,06 m². Selbst wenn sie so viel verdunstete wie ein offenes Aquarium, laut Umweltbundesamt rund 40 g je m² und Stunde, wären das 2,4 g pro Stunde. Für Heizkörper-Verdunster aus Ton gibt es keine belastbare Zahl. Du kannst sie selbst messen: Wasserstand markieren und nach 24 Stunden nachsehen, siehe Befeuchter-Bauarten. In jedem Fall gilt: stehendes, warmes Wasser regelmäßig ausleeren und reinigen. Zimmerbrunnen führt das Umweltbundesamt ebenfalls unter möglichen Schimmel- und Feuchtequellen.

Weniger Feuchte verlieren

Bevor du Wasser in die Luft bringst, lohnt es sich, weniger hinauszulassen:

  • Kippfenster zu. Ein gekipptes Fenster tauscht ständig Luft und erhöht laut Umweltbundesamt Energieverbrauch und Heizkosten drastisch. Besser 2- bis 3-mal täglich etwa 5 Minuten Stoßlüften, siehe richtig lüften in der Heizsaison.
  • Kürzer lüften, nicht seltener. Verbrauchte Luft muss trotzdem hinaus.
  • Nicht überheizen. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume höchstens 20 °C. Luft mit 20 °C und 45 % enthält 7,7 g Wasser pro m³. Auf 22 °C erwärmt, sind das nur noch rund 40 %. Zwei Grad mehr kosten also rund 5 Prozentpunkte Feuchte.

Durchgerechnet

Das Ergebnis: Wer zu zweit im Raum sitzt und nicht dauerlüftet, braucht oft nur wenig Hilfe. Fehlen über Tage mehr als ein paar Prozentpunkte, schafft das kein Hausmittel zuverlässig, höchstens die Wäsche. Dann ist ein Befeuchter mit Hygrostat die kontrollierbare Lösung.

Welche Bauart wohin passt, vergleicht Verdunster, Verdampfer oder Ultraschall.

Wann mehr Feuchte nicht die Antwort ist

  • Das Hygrometer zeigt 40 % oder mehr. Dann fehlt keine Feuchte.
  • Die Fenster beschlagen morgens. Das spricht für zu viel Feuchte an den kalten Flächen, nicht für zu wenig. Bei Einfachglas beschlägt die Scheibe bei 0 °C draußen schon ab rund 37 % Raumfeuchte. Mehr unter Fenster beschlagen innen.
  • Es geht um das kühle Schlafzimmer. Dort kippt es schnell ins Feuchte. Welche Wandtemperatur bei deinen Werten kritisch wird, zeigt der Schimmel-Rechner.
  • Eigentlich stören Staub oder Pollen. Das löst ein Luftreiniger, kein Befeuchter, siehe Luftreiniger mit Befeuchter.

Quellen