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Kaufberatung

Luftreiniger nach Raumgröße: So rechnest du die CADR

Welcher Luftreiniger passt zu deinem Raum? Aus Fläche, Deckenhöhe und Luftwechsel rechnest du die nötige CADR selbst aus, statt der Kartonangabe zu glauben.

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Kompakter Luftreiniger auf einem Tisch neben einer Blume
Foto: tommy picone / Pexels

Auf dem Karton steht „geeignet bis 60 m²“. Im Wohnzimmer merkst du davon wenig, und im Schlafzimmer ist das Gerät so laut, dass du es nachts ausschaltest. Beides hat dieselbe Ursache: Der Luftreiniger wurde nach der Raumangabe des Herstellers gekauft, nicht nach dem Bedarf des eigenen Raums.

Diesen Bedarf rechnest du in einer Zeile aus. Du brauchst drei Zahlen: Fläche, Deckenhöhe und Luftwechsel. Heraus kommt die CADR, die dein Raum braucht. Sie ist die einzige Angabe, mit der sich Luftreiniger sinnvoll vergleichen lassen.

Was die CADR angibt

CADR steht für Clean Air Delivery Rate: die Menge gereinigter Luft pro Zeit. Die Größe stammt aus der US-Norm AHAM AC-1. Dort wird sie in cfm (Kubikfuß pro Minute) angegeben, und zwar getrennt für drei Partikelarten: Rauch, Staub und Pollen.

In Europa steht die CADR meist in m³/h, oft ohne Hinweis, nach welcher Norm und für welche Partikelart gemessen wurde. Drei Regeln helfen beim Lesen:

  • Umrechnen: 1 cfm = 1,699 m³/h. Aus 200 cfm werden rund 340 m³/h.
  • Drei Werte im Datenblatt: Rechne mit der Rauch-CADR. Auf sie bezieht sich die AHAM-Faustregel.
  • Ein Wert ohne Partikelart: Du weißt nicht, welcher gemeint ist. Das schließt das Gerät nicht aus, ist aber ein Grund, in der Anleitung nachzulesen oder beim Hersteller zu fragen.

Die Formel: Fläche × Höhe × Luftwechsel

CADR in m³/h = Fläche in m² × Deckenhöhe in m × Luftwechsel pro Stunde

Der Luftwechsel sagt, wie oft das Gerät das ganze Raumvolumen in einer Stunde durch den Filter schiebt. Wir rechnen standardmäßig mit 4,8. Dieser Wert steckt hinter der AHAM-Faustregel, der „2/3-Regel“: Die Rauch-CADR in cfm soll mindestens zwei Drittel der Raumfläche in Quadratfuß betragen, bezogen auf 8 Fuß (rund 2,4 m) Deckenhöhe. Ziel ist, die Partikel im Raum um 80 % zu senken.

Für Allergiker in der Pollensaison rechnen wir mit 6 Luftwechseln. Das ist unsere Annahme, keine Norm. Die Begründung steht im Text über Luftreiniger für Allergiker.

Ein Beispiel: 20 m² × 2,5 m = 50 m³ Raumvolumen. 50 m³ × 4,8 = 240 m³/h. Bei 4,8 Luftwechseln ist das Raumvolumen rechnerisch alle 12,5 Minuten einmal durch den Filter gegangen (60 ÷ 4,8), bei 6 Luftwechseln alle 10 Minuten.

Fläche (2,5 m hoch) CADR bei 4,8×/h CADR bei 6×/h
10 m² 120 m³/h 150 m³/h
14 m² 168 m³/h 210 m³/h
20 m² 240 m³/h 300 m³/h
25 m² 300 m³/h 375 m³/h
30 m² 360 m³/h 450 m³/h
40 m² 480 m³/h 600 m³/h
50 m² 600 m³/h 750 m³/h

Ein Luftreiniger für 30 qm bei 2,5 m Deckenhöhe braucht also 360 m³/h, für Allergiker 450 m³/h. Deine eigenen Maße setzt du hier ein:

CADR-Rechner

Dein Raum braucht eine CADR von mindestens

Raumvolumen
Entspricht in cfm (US-Angabe)
Nenn-CADR mit Reserve für leisen Betrieb

Die CADR im Datenblatt gilt für die höchste Stufe. Faustregel: Halbe Lüfterdrehzahl heißt etwa halber Luftstrom, ist aber deutlich leiser — wer leise reinigen will, wählt deshalb etwa die doppelte Nenn-CADR und prüft die Werte der leisen Stufe im Datenblatt. 6 Luftwechsel für Allergiker sind unsere Annahme, 4,8 entsprechen der AHAM-Faustregel.

Warum „geeignet bis 60 m²“ nichts sagt

Die empfohlene Raumgröße auf der Verpackung beruht auf einem Luftwechsel, den du nicht kennst. Deshalb lassen sich diese Angaben zwischen zwei Geräten nicht vergleichen. Rechne sie auf die CADR zurück.

Angenommen, ein Gerät hat eine CADR von 300 m³/h und wird als „geeignet bis 60 m²“ beschrieben. 60 m² × 2,5 m ergeben 150 m³. 300 ÷ 150 = 2. In diesem Raum würde das Gerät die Luft also zweimal pro Stunde umwälzen, nicht 4,8-mal. Nach unserer Rechengrundlage reicht es für 25 m²: 300 ÷ (2,5 × 4,8) = 25.

Die Quadratmeterzahl auf dem Karton ist deshalb nie der Maßstab. Maßstab ist die CADR, geteilt durch dein Raumvolumen.

Die Nenn-CADR gilt für die höchste Stufe

Die CADR im Datenblatt gilt für die höchste Lüfterstufe. Dort ist das Gerät auch am lautesten. Auf leiseren Stufen sinken CADR und Lautstärke gemeinsam.

Die Folge merkst du sonst erst nach dem Kauf: Ein Gerät, dessen Nenn-CADR genau dem Bedarf entspricht, deckt ihn nur auf Vollgas. Tagsüber im Wohnzimmer mag das gehen. Im Schlafzimmer, für das die WHO höchstens 30 dB(A) Dauergeräusch nennt, drehst du es herunter und liegst dann unter dem Bedarf.

So planst du die Reserve:

  1. Rechne den Bedarf deines Raums aus.
  2. Such im Datenblatt die CADR (oder den Luftdurchsatz) und die Lautstärke für jede Stufe.
  3. Die Stufe, auf der das Gerät dauerhaft laufen soll, muss den Bedarf schaffen.

Wie viel Leistung auf welcher Stufe bleibt, lässt sich nicht pauschal sagen. Das steht nur in guten Datenblättern. Fehlen die Werte, wähle ein Gerät, dessen Nenn-CADR deutlich über deinem Bedarf liegt, oder frag beim Hersteller nach.

Bei der Lautstärke vergleichst du nur gleiche Größen. Die Schallleistung (LWA) liegt je nach Messaufbau rund 8 bis 11 dB über dem Schalldruck in 1 m Abstand (LpA). Wie Stufe, Strom und Lautstärke zusammenhängen, steht im Text über die Folgekosten.

Offene Grundrisse und hohe Decken

Die Formel kennt keine Wände, nur Volumen. Daraus folgt:

  • Offener Wohn- und Essbereich: Was offen verbunden ist, zählt als ein Raum. Wohnzimmer mit 25 m² und offene Küche mit 15 m² ergeben 40 m², also 480 m³/h statt 300 m³/h.
  • Hohe Decken: 3 m statt 2,5 m sind ein Fünftel mehr Volumen. 30 m² mit 3 m Decke brauchen 30 × 3 × 4,8 = 432 m³/h statt 360 m³/h.
  • Große oder verwinkelte Flächen: Zwei Geräte an zwei Stellen können die Luft besser erreichen als eines in der Ecke. Ihre CADR-Werte zählen zusammen.
  • Offene Türen: Steht die Schlafzimmertür offen, teilt sich der Raum die Luft mit Flur und Wohnung. Das Umweltbundesamt rät ohnehin, die Schlafzimmertür geschlossen zu halten, damit keine warme, feuchte Luft im kühleren Raum kondensiert. Dann stimmt auch die Rechnung.

Luftreiniger vergleichen: vier Angaben

Für einen Luftreiniger-Vergleich reichen vier Angaben aus dem Datenblatt. Alles andere ist Ausstattung.

Angabe Worauf du achtest
CADR in m³/h über deinem Bedarf; Partikelart genannt, bei drei Werten den für Rauch nehmen
CADR und Lautstärke je Stufe die Stufe für den Dauerbetrieb deckt den Bedarf; Schallleistung und Schalldruck nicht mischen
Filterklasse H13 nach EN 1822 oder ISO 35 H nach ISO 29463; „HEPA-Typ“ ist keine genormte Bezeichnung
Leistungsaufnahme je Stufe in W Grundlage für die Stromrechnung

Dazu eine Ausschlussfrage: Hat das Gerät einen Ionisator, eine „Plasma“- oder UV-Funktion? Die können Ozon erzeugen. Dann sollte sie abschaltbar sein, oder du nimmst ein Gerät ohne.

Drei Größenklassen

Die Empfehlungen sind nach Raumgröße sortiert und gelten für 2,5 m Deckenhöhe. Für höhere Räume rechnest du mit deiner Höhe nach.

Die 37 ct/kWh sind der BDEW-Durchschnitt für Haushalte im Jahr 2026. Setz für deine Rechnung den Preis aus deinem eigenen Tarif ein.

Wann ein größerer Luftreiniger nicht die Antwort ist

Mehr CADR hilft nur gegen Partikel in der Luft. Bei diesen Problemen liegt die Lösung woanders:

  • Beschlagene Fenster, muffige Ecken: Das ist Feuchte. Erst mit einem Hygrometer messen, dann lüften oder entfeuchten. Ob ein Luftreiniger bei Schimmel etwas bringt, steht in Luftreiniger gegen Schimmel.
  • Stickige Luft: Verbrauchte Atemluft zeigt sich am CO₂, und CO₂ ist kein Maß für Feinstaub oder Pollen. Das Umweltbundesamt stuft Werte unter 1.000 ppm als hygienisch unbedenklich ein, darüber heißt es: mehr lüften. Ein CO₂-Messgerät zeigt, wann.
  • Gerüche und Gase: Ein HEPA-Filter hält keine Gase zurück. Dafür braucht es Aktivkohle, und zwar genug davon. Mehr dazu im Text über Filter und Folgekosten.
  • Hausstaubmilben: Ihr Allergen hängt an großen Partikeln, die nach dem Aufwirbeln schnell wieder absinken. Ein Luftreiniger erfasst davon wenig, egal wie groß er ist.

Quellen