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Wissen

Fenster beschlagen innen: Was Kondenswasser am Fenster bedeutet

Fenster beschlagen innen? Kondenswasser am Fenster zeigt, wie feucht die Raumluft ist. Ab welcher Feuchte welches Glas beschlägt und was morgens hilft.

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Beschlagene Fensterscheibe, an der Kondenswasser in Tropfen herunterläuft
Foto: Patrick / Pexels

Wenn im November die ersten kalten Nächte kommen, sind die Scheiben im Schlafzimmer morgens beschlagen. Unten am Rahmen steht Wasser, auf der Fensterbank bildet sich eine kleine Pfütze. Das ist selten ein Fehler des Fensters. Beschlagene Fenster zeigen, wie feucht die Raumluft im Verhältnis zur kältesten Fläche im Raum ist. Und die kälteste Fläche ist im Winter fast immer das Glas.

Warum Fenster innen beschlagen

Luft, die an der kalten Scheibe abkühlt, kann weniger Wasser halten. Fällt die Temperatur des Glases unter den Taupunkt der Raumluft, schlägt sich das Wasser nieder.

Raumluft Taupunkt
20 °C / 40 % 6,0 °C
20 °C / 50 % 9,3 °C
20 °C / 60 % 12,0 °C
17 °C / 65 % 10,4 °C

Je feuchter die Luft, desto wärmer darf die Scheibe sein und beschlägt trotzdem. Den Taupunkt für deine eigenen Werte zeigt der Schimmel-Rechner.

Kondenswasser ist das sichtbare Ende. Schimmel braucht weniger: Er droht, wenn die Luft an einer Fläche über längere Zeit 80 % erreicht, das Kriterium der DIN 4108-2. Wenn die Scheibe tropft, lohnt deshalb auch der Blick in die Laibung und in die Außenecken.

Welches Glas ab welcher Feuchte beschlägt

Wie kalt die Scheibe innen wird, hängt an der Verglasung und am Wetter. Wir haben es für die Scheibenmitte nachgerechnet, mit den üblichen U-Werten der Verglasungen und 20 °C im Raum:

Verglasung (U-Wert) 0 °C draußen: Scheibe beschlägt ab −10 °C draußen: Scheibe beschlägt ab
Einfachglas (5,9) 4,7 °C 37 % −3,0 °C 21 %
altes Isolierglas (2,8) 12,7 °C 63 % 9,1 °C 49 %
Wärmeschutzglas, zweifach (1,3) 16,6 °C 81 % 14,9 °C 73 %
Dreifach-Wärmeschutzglas (0,8) 17,9 °C 88 % 16,9 °C 82 %

So liest du die Tabelle:

  • Einfachglas beschlägt bei −10 °C schon ab 21 % Raumfeuchte, also fast immer. Hier liegt es am Glas, nicht an deinem Lüften.
  • Altes Isolierglas bleibt bei 0 °C bis 63 % klar, bei −10 °C nur bis 49 %. Beschlagene Scheiben an frostigen Morgen sind bei diesen Fenstern normal, solange das Wasser nach dem Lüften verschwindet.
  • Wärmeschutzglas beschlägt in der Mitte erst ab 73 bis 88 %. Ist hier die ganze Scheibe nass, ist die Luft zu feucht. Das ift Rosenheim nennt Tauwasser auf Dreifachglas mit warmer Kante „ein deutliches Zeichen für eine zu hohe Raumluftfeuchtigkeit“.

Die Rechnung gilt für die Scheibenmitte. Der Rand ist kälter, vor allem bei alten Aluminium-Abstandhaltern zwischen den Scheiben. Deshalb beginnt der Beschlag oft am Rand. Die DIN 4108-2 lässt Tauwasser an Fenstern in einem bestimmten Maß zu, solange angrenzende Bauteile keinen Schaden nehmen. Bei Holzrahmen heißt das: Wasser nicht stehen lassen.

Beschlägt eine Scheibe von außen, ist das kein Feuchteproblem der Wohnung. Durch gut dämmendes Glas geht so wenig Wärme nach draußen, dass die äußere Scheibe an feuchten Morgen unter den Taupunkt der Außenluft fällt.

Wie viel Wasser über Nacht zusammenkommt

Laut Umweltbundesamt gibt jede Person pro Nacht etwa einen Viertelliter Wasser an die Raumluft ab. Ein durchschnittlicher 3-Personen-Haushalt kommt auf 6 bis 12 Liter am Tag. Weitere Erfahrungswerte aus dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts:

Feuchtequelle Feuchteabgabe
Mensch, leichte Aktivität 30 bis 40 g pro Stunde
trocknende Wäsche, geschleudert (4,5-kg-Trommel) 50 bis 200 g pro Stunde
Kochen, Duschen je 270 g pro Person und Tag
Zimmerpflanze 1 bis 5 g pro Stunde

Was das in einem Schlafzimmer bedeutet:

Die Raumluft allein könnte die Feuchte einer Nacht also gar nicht aufnehmen. Einen Teil nehmen Wände, Bettzeug und Möbel auf und geben ihn über den Tag wieder ab, den Rest sammelt die kälteste Fläche. Ein einzelnes Stoßlüften trägt weniger als die Hälfte hinaus. Deshalb rät das Umweltbundesamt, das Schlafzimmer morgens und vor dem Schlafengehen zu lüften und alle Räume 2- bis 3-mal am Tag.

Was gegen beschlagene Fenster hilft

  1. Morgens das Wasser entfernen. Nasse Scheiben regelmäßig trockenwischen, rät die Verbraucherzentrale. Ein Tuch, das danach auf der Heizung trocknet, gibt sein Wasser allerdings wieder an den Raum ab. Wringst du es im Waschbecken aus oder ziehst das Wasser mit einem Fenstersauger ab, ist es aus der Wohnung.
  2. Stoßlüften statt Kippfenster. Morgens 5 bis 10 Minuten weit öffnen, abends noch einmal. Bei einem dauerhaft gekippten Fenster kann laut Umweltbundesamt die Wand rund ums Fenster rasch auskühlen, und dort kann sich Kondenswasser niederschlagen. Mehr unter richtig lüften in der Heizsaison.
  3. Das Schlafzimmer nicht auskühlen lassen. Das Umweltbundesamt nennt 16 bis 18 °C als ausreichend. Die Tür zu wärmeren Räumen bleibt zu, damit deren feuchte Luft nicht im kühlen Schlafzimmer an Glas und Wänden kondensiert.
  4. Heizkörper frei lassen. Keine Vorhänge, Gardinen oder übergroßen Fensterbänke davor. Ein Vorhang dicht vor der Scheibe hält außerdem warme Raumluft vom Glas fern.
  5. Feuchtequellen im Blick. Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen, schon gar nicht im Schlafzimmer. Viele Pflanzen heißen: öfter lüften.
  6. Messen. Ein Hygrometer mit Min/Max-Speicher zeigt, wie feucht es über Nacht wird. Bleibt die Feuchte trotz Lüften über 60 %, hilft ein Luftentfeuchter für Wohnung und Schlafzimmer.

Neue Fenster, und plötzlich wird die Wand feucht

Alte, undichte Fenster lassen auch geschlossen Luft durch. In einer Beispielrechnung im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts sinkt dieser Luftwechsel mit neuen, dichten Fenstern von 0,5 auf 0,1 pro Stunde. Die Feuchte bleibt also im Raum, und es muss mehr gelüftet werden. Heikel wird das, wenn die Wände ungedämmt bleiben: Dann kondensiert das Wasser nicht mehr am warmen neuen Glas, sondern an der kalten Laibung oder in der Außenecke. Das Warnsignal am Fenster fällt weg, das Problem nicht. Das Umweltbundesamt empfiehlt beim Einbau neuer dichter Fenster ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6.

Schimmel am Fensterrahmen und an der Dichtung

Schwarze Punkte auf der Gummidichtung oder in der Silikonfuge sind häufig. Das Umweltbundesamt ordnet bewachsene Dichtungen an Fensterfugen als geringfügigen Befall ein, Kategorie 1 bei unter 20 cm². Oberflächlichen Befall unter 0,5 m² mit bekannter Ursache können Betroffene oft selbst entfernen, wenn sie nicht allergisch auf Schimmel reagieren und keine Erkrankung des Immunsystems haben:

  • Glas und glatte Rahmen: mit Wasser und haushaltsüblichem Reiniger abwaschen, das Wischwasser mehrfach wechseln.
  • Verputzte oder gestrichene Laibung: mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol oder haushaltsüblichem Reiniger abwischen, kein Essigreiniger. Beim Alkohol gut lüften, nur kleine Mengen, kein offenes Feuer.
  • Fugen, die sich nicht mehr reinigen lassen: erneuern lassen. In der Mietwohnung vorher mit der Vermieterin oder dem Vermieter sprechen.

Wichtig ist die Ursache: Ohne weniger Feuchte kommt der Befall wieder.

Wann das Fenster nicht das Problem ist

  • Das Glas bleibt klar, aber in Außenecken oder hinter dem Schrank wachsen Flecken. Dann ist die Wand die kalte Stelle. Welche Wandtemperatur bei deinen Werten kritisch wird, zeigt der Schimmel-Rechner. Ein Luftreiniger löst das nicht, siehe Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
  • Wasser kommt auch bei trockener Luft, läuft an der Wand herunter oder bildet Flecken unter dem Fenster. Undichte Anschlussfugen an Laibung und Rahmen zählt das Umweltbundesamt zu den typischen Bauschäden. Das gehört in fachliche Hände, in der Mietwohnung zuerst zur Vermieterseite.
  • Die Luft ist eigentlich zu trocken. Unter 40 % hilft kein Entfeuchter. Bei Einfachglas beschlägt die Scheibe dann trotzdem; befeuchte vorsichtig und behalte das Glas im Blick, siehe Luftfeuchtigkeit erhöhen.
  • Schimmel auf mehr als 0,5 m² oder eine Ursache, die du nicht findest: Fachfirma.

Quellen