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Kaufberatung

Luftreiniger für Allergiker: Was er gegen Pollen, Milben und Tierhaare leistet

Luftreiniger bei Allergie: Gegen Pollen und Katzenallergen hilft er im Dauerbetrieb, gegen Milben kaum. Worauf Allergiker bei Filter und CADR achten.

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Frau mit Taschentuch im Bett, erkältet oder allergisch
Foto: Andrea Piacquadio / Pexels

Die Nase ist nachts zu, morgens jucken die Augen, und das Fenster bleibt geschlossen, weil draußen die Pollen fliegen. In dieser Lage kann ein Luftreiniger helfen. Aber nicht gegen jedes Allergen gleich gut, und nicht jedes Gerät mit dem Hinweis „für Allergiker“ bringt die nötige Leistung.

Wie viel ein Luftreiniger ausrichtet, hängt vor allem an einer Frage: Wie lange schwebt das Allergen in der Luft? Was in der Matratze, im Teppich oder im Sofa steckt, erreicht kein Filter.

Vorweg das Wichtigste: Ein Luftreiniger ersetzt keine Behandlung. Bei Allergie oder Asthma klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, worauf du reagierst und was dir hilft.

Welches Allergen, welcher Nutzen

Allergen Verhalten in der Luft Beitrag des Luftreinigers Was außerdem hilft
Pollen groß (grob 10 bis 100 µm), sinken schnell hilft vor allem bei geschlossenen Fenstern im Dauerbetrieb kurz und weit lüften statt Fenster kippen
Hausstaubmilben Allergen hängt an großen Partikeln, sinkt nach dem Aufwirbeln schnell wieder ab gering milbendichte Bezüge (Encasings), Bettwäsche heiß waschen, Luftfeuchte nicht dauerhaft hoch
Katzenallergen hängt zum Teil an kleinen Partikeln, bleibt lange in der Luft gilt als der Fall, in dem ein Luftreiniger mehr beitragen kann ärztlich klären, was sonst nötig ist

Pollen

Pollen sind vergleichsweise groß und sinken schnell zu Boden. Ein Luftreiniger erwischt sie, solange sie schweben: nach dem Lüften und wenn du sie an Kleidung und Haaren hereinträgst. Den größten Nutzen hat er, wenn die Fenster in der Flugzeit geschlossen bleiben und das Gerät durchläuft. Bei offenem Fenster strömen ständig neue Pollen nach, dagegen kommt ein Gerät kaum an.

Hausstaubmilben

Hier ist die ehrliche Antwort unbequem: Das Milbenallergen hängt an großen Partikeln, die nach dem Aufschütteln der Decke schnell wieder absinken. Ein Luftreiniger erfasst davon wenig. Wirksamer sind milbendichte Bezüge für Matratze, Decke und Kissen, heiß gewaschene Bettwäsche und eine Luftfeuchte, die nicht dauerhaft hoch liegt. Welche Werte gut sind, steht in ideale Luftfeuchtigkeit; messen kannst du sie mit einem Hygrometer.

Katzen und andere Tiere

Katzenallergen hängt zu einem Teil an kleinen Partikeln und bleibt lange in der Luft. Hier gilt ein Luftreiniger als sinnvoller Beitrag. Die sichtbaren Tierhaare selbst liegen auf Boden und Polstern, die holt der Staubsauger. Ob sich das auf Hunde oder andere Tiere übertragen lässt, klärst du am besten in der allergologischen Sprechstunde.

Dauerbetrieb im Schlafzimmer

Wenn du nur einen Raum ausstattest, dann das Schlafzimmer. Dort verbringst du die längste Zeit am Stück, und die Tür ist zu. Das Umweltbundesamt rät ohnehin dazu, die Schlafzimmertür geschlossen zu halten, damit keine feuchte Luft aus der Wohnung im kühleren Raum kondensiert. Einen geschlossenen Raum kann ein Gerät sauber halten. In einer offenen Wohnung verteilt sich seine Leistung auf viel mehr Luft.

So läuft es in der Pollensaison:

  • Durchlaufen lassen, Tag und Nacht. Nachts auf der leisen Stufe, tagsüber gern höher.
  • Weiter lüften. Das Umweltbundesamt empfiehlt fürs Schlafzimmer, morgens 5 bis 10 Minuten weit zu öffnen und vor dem Schlafengehen noch einmal. Kurz und weit, nicht gekippt.
  • Nach dem Lüften holt der Reiniger die hereingewehten Pollen wieder heraus. Bei 6 Luftwechseln pro Stunde ist das Raumvolumen rechnerisch alle 10 Minuten einmal durch den Filter gegangen.
  • Ob das Lüften reicht, zeigt ein CO₂-Messgerät. Unter 1.000 ppm gilt die Luft laut Umweltbundesamt als hygienisch unbedenklich. Das Lüften selbst kann ein Luftreiniger nicht ersetzen.

Wie groß: mit 6 Luftwechseln rechnen

Die nötige CADR rechnest du so aus: Fläche × Deckenhöhe × Luftwechsel. Die AHAM-Faustregel steht für rund 4,8 Luftwechsel pro Stunde und das Ziel, die Partikel um 80 % zu senken. Für Allergiker in der Pollensaison rechnen wir mit 6. Das ist unsere Annahme, keine Norm: Nach jedem Lüften soll die Luft schneller wieder sauber sein.

Fläche (2,5 m hoch) CADR bei 4,8×/h CADR bei 6×/h (Allergie, unsere Annahme)
10 m² 120 m³/h 150 m³/h
14 m² 168 m³/h 210 m³/h
20 m² 240 m³/h 300 m³/h
25 m² 300 m³/h 375 m³/h

Wichtig für die Nacht: Die CADR im Datenblatt gilt für die höchste Stufe, dort ist das Gerät am lautesten. Die WHO nennt fürs Schlafzimmer höchstens 30 dB(A) Dauergeräusch für ungestörten Schlaf. Die Stufe, die du nachts erträgst, muss also die 210 m³/h für 14 m² schaffen, nicht die höchste. Dafür braucht es ein Gerät mit deutlich mehr Nenn-CADR und ein Datenblatt, das die Werte je Stufe nennt. Mehr dazu, auch für größere Räume, im Text über Luftreiniger nach Raumgröße und im CADR-Rechner.

H13 nach EN 1822 statt „HEPA-Typ“

Belastbar ist nur eine Filterklasse nach Norm: H13 nach EN 1822 oder gleichwertig ISO 35 H nach ISO 29463. Ein H13-Filter scheidet mindestens 99,95 % der Partikel ab, und zwar bei der Größe, die am schwersten zu fangen ist (grob 0,1 bis 0,3 µm).

„HEPA-Typ“, „HEPA-ähnlich“ oder „True HEPA“ sind keine genormten Bezeichnungen. Steht keine Klasse nach EN 1822 oder ISO 29463 dabei, weißt du nicht, was du kaufst.

Für Pollen heißt das: Sie sind mit 10 bis 100 µm weit größer als diese schwierigste Partikelgröße. Die 99,95 % gelten für den ungünstigsten Fall, größere Partikel fängt der Filter mindestens ebenso gut. Der Engpass ist deshalb nicht die Filterklasse, sondern die Frage, ob genug Luft durch den Filter strömt (CADR) und ob sie nicht an ihm vorbeiströmt (Dichtigkeit). H14 statt H13 bringt im Wohnraum wenig; warum, steht im Text über Filter und Folgekosten.

Dichtigkeit: Die Klasse gilt nur fürs Filtermaterial

Die Filterklasse beschreibt das Material, nicht das Gerät. Strömt Luft am Filter vorbei, etwa durch einen undichten Rahmen, scheidet das Gerät weniger ab, als die Klasse verspricht.

Darauf achtest du:

  • Der Filter hat eine umlaufende Dichtung und sitzt fest im Gehäuse.
  • Die Abdeckung schließt ohne Spalt.
  • Nachbaufilter passen genau zur Modellbezeichnung und nennen ebenfalls H13 nach EN 1822.
  • Nennt ein Datenblatt einen Abscheidegrad für das ganze Gerät, ist das aussagekräftiger als die Klasse des Filtermaterials allein.

Ionisator, Plasma, UV: lieber ohne

Ionisatoren, „Plasma“-Funktionen und manche UV-Funktionen können Ozon erzeugen. Kalifornien begrenzt die Ozonabgabe von Luftreinigern auf 0,050 ppm. Für Pollen im Schlafzimmer brauchst du keine dieser Funktionen, das Filtern übernimmt der Filter. Unser Rat: Die Zusatzfunktion muss sich abschalten lassen, oder du nimmst ein Gerät ohne sie.

Drei Empfehlungen

Die 90 Tage sind eine Annahme; setz die Dauer deiner Beschwerdezeit ein. Die 37 ct/kWh sind der BDEW-Durchschnitt für Haushalte 2026, dein Tarif kann abweichen.

Wann ein Luftreiniger nicht die Antwort ist

  • Hausstaubmilben sind das Hauptproblem. Dann zuerst Encasings, heiß waschen, Feuchte im Blick behalten. Ist die Luft dauerhaft zu feucht, hilft ein Luftentfeuchter mehr als ein Filter.
  • Schimmel ist im Spiel. Ein Filter beseitigt keine feuchte Wand. Was er leisten kann und was nicht, steht in Luftreiniger gegen Schimmel. Bei Schimmel in größerem Umfang: fachlich abklären lassen.
  • Die Fenster sind ohnehin offen. Dann strömen ständig neue Pollen nach. Der Luftreiniger wirkt im geschlossenen Raum.
  • Die Beschwerden bleiben trotz Gerät. Dann ist das kein Grund für ein größeres Gerät, sondern für einen Termin in der Arztpraxis.

Quellen